Anwendung einer digitalen Wertstrommethode in industriellen Bauprojekten der Implenia Hochbau GmbH

Bildquelle: Roland Bamert, Implenia Hochbau GmbH
Im Rahmen des Quick Checks wurde eine Machbarkeitsstudie und Potenzialanalyse zur Adaption der klassischen Wertstrommethode auf industrielle Bauvorhaben durchgeführt. Der erwartete Mehrwert liegt in der Verbesserung der Transparenz, der frühzeitigen Erkennung von Engpässen und der Unterstützung von Entscheidungen. Im Fokus stehen Planungs- und Produktionsabläufe in Bauprojekten sowie die Koordination der Beteiligten. Ziel des Quick Checks ist es, Anforderungen und Potenziale für die Adaption der Wertstrommethode zu identifizieren.
Problem- und Zielbeschreibung
Die Herausforderung
Industrielle Bauprojekte sind komplex: Viele beteiligte Unternehmen, wechselnde Anforderungen, enge Abhängigkeiten zwischen Bauabläufen und Logistik sowie anspruchsvolle Schnittstellen zwischen Planung und Ausführung. Abtaktungen zwischen den Gewerkezügen finden statt, jedoch werden für den Projekterfolg kritische Prozesse häufig zu spät identifiziert. In der industriellen Fertigung hat sich die Wertstrommethode als bewährtes Instrument zur Identifikation von Verschwendung und Engpässen etabliert.
Übertragung der Wertstommethode auf den Bau
Die Praxis zeigt, dass sich die Wertstommethode auch in Bauprojekten für die Analyse und Gestaltung einzelner Prozesse eignet. Allerdings kann die Wertstrommethode gerade bei großen Bauprojekten nicht für jeden Arbeitsschritt durchgeführt werden. Das ist aber auch nicht notwendig. Vielmehr stellt sich die Frage, für welche Prozesse eine Detailbetrachtung im Sinne der Wertstrommethode sinnvoll ist. Im Rahmen des Quick Checks wurde die methodische Grundlage für die frühzeitige Identifikation kritischer Prozesse gelegt. Der Fokus liegt auf Strukturen statt, wie bisher üblich, auf einzelne Gewerke. Außerdem wird zwischen vier Prozessarten unterschieden – Planung, vorbereitende Produktion, Ausführung und Baulogistik. Auf Basis klar definierter Regeln können relevante kritische Prozesse für die Wertstrommethode identifiziert werden.
Detaillierter Projektablauf
Die Durchführung des Quick Checks erfolgte primär in zwei eintägigen Vor-Ort- Workhops.
Workshop 1 – Analyse & Strukturierung
Im ersten Workshop wurden bestehende Abläufe eines realen Bauprojekts analysiert. Im Fokus standen Kriterien zur Identifikation kritischer Prozesses wie beispielsweise der kritischer Pfad oder die Komplexität eines Prozesses. Außerdem wurden konkrete Methodenbausteine und adaptierte Wertstrom-Symbole (inkl. Kennzahlen wie Bearbeitungszeit und Erfüllungsgrad) entwickelt.

Bildquelle: Marc-André Berchtold, Fraunhofer IPA
Workshop 2 – Methodenbausteine & Planspiel
Im zweiten Workshop wurden die Methodenbausteine in einem Planspiel theoretisch erprobt, Anforderungen an ein digitales Tool abgeleitet sowie der Nutzen der Methode und des Tools bewertet. Wesentliche Ergebnisse:
- Der Wechsel des Betrachtungswinkels von der Gewerksicht hin zu einer klaren Struktursicht wird als besonders vielversprechend bewertet.
- Die detaillierte Auseinandersetzung mit den Strukturen und den damit verbundenen Prozessen erlaubt die frühzeitige Identifikation kritischer Prozesse.
- Mit der Wertstrommethode können kritische Prozesse entschärft werden.
Projektnutzen
- Frühzeitige Engpass-Erkennung – Die frühzeitige Erkennung von Engpässen hilt bei der Einhaltung der Projekte hinsichtlich Kosten, Zeit und Qualität.
- Standardisierung & Stabilität – Standardisierte Schablonen und Methodenbausteine ermöglichen ein strukturiertes Vorgehen über alle Projektphasen hinweg.
- Geringer Aufwand – Die Methode und das Tool soll vom Projektteam (Arbeitsvorbereiter, Bauleiter, Projektleiter) über die gesamte Projektdauer genutzt werden und langfristig den Aufwand in Projekten reduzieren.
- Datenbasiertes Lernen – Eine langfristige Datenbasis von Vergangenheitswerten ist die Grundlage für zukünftige Verbesserungen von Planungsqualität und Durchlaufzeiten.
Zitat
Die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IPA lieferte wertvolle Erkenntnisse, wie kritische Bauprozesse aus Lean-Sicht künftig transparenter und effizienter gesteuert werden. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die nächsten Forschungs- und Entwicklungsschritte zur praxisnahen Anwendung im Projektalltag.
bestätigen Kevin Klamp, Head Lean Construction D-CH und Sven Plösser, Head PES ICS DE bei Implenia
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